Der Nine-Eleven-Junge

 

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... Der Nine-Eleven-Junge
Catherine Bruton

Baumhaus (2011)
400
14

Inhalt:

Ben war erst zwei, als sein Vater bei den Anschlägen auf das World Trade Center ums Leben kam. Obwohl er sich kaum an seinen Dad erinnern kann, hat er seitdem eine Sonderstellung: Er ist "Der Nine-Eleven-Junge". Als er für einige Wochen bei seinen Großeltern einzieht und das Nachbarsmädchen Priti kennenlernt, ist dies der Beginn eines unvergesslichen Sommers. Denn Priti, Ben und sein Cousin Jed wollen Helden sein - und ein Held ist, wer Ehrenmorde verhindert und potenzielle Terroristen schon von Weitem erkennt

Rezension von Sabine aus der Kinder-Stadt:

Der 11. September wirkt nach, bis heute. Angehörige leiden unter den Nachwirkungen, bewusst und unbewusst. Doch nicht nur die Erinnerung an den Terroranschlag beeinflusst unser Leben heute. Auch die Vorurteile andersgläubigen Menschen gegenüber, verhindern eine Beruhigung und Annäherung.

"Der Nine Eleven Junge" heißt Ben, ist 12 Jahre, lebt in England und verlor am 11.09.2001 seinen Vater. Als die Flugzeuge in die Twin-Towers krachten, war er gerade 2 Jahre und hat so gut wie keine Erinnerungen an den Tag oder die Zeit danach. Verändert hat sie ihn dennoch. Einerseits durch die Umwelt, die in ihm einen "Hinterbliebenen" sieht und ihm mit Mitleid begegnet, andererseits auch durch die Mutter, die psychisch erkrankt ist.

Den Sommer muss Ben nun, da seine Mutter stationär behandelt wird, bei seinen Großeltern verbringen. Ben lernt Priti kennen, die Tochter einer pakistanischen Familie aus der Nachbarschaft. Ihre offene, manchmal respektlose Art irritiert ihn anfangs, dennoch lernt er sie schätzen und verbringt viel Zeit mit ihr. Schließlich ist sie es auch, die ihn dazu bringt sich seinen offenen Fragen, seinem Vater gegenüber zu stellen und auch mit seinen Großeltern darüber zu sprechen.

Der Sommer könnte also friedlich vor sich hin plätschern, wenn Priti nicht auch eine blühende Fantasie hätte. Ehrenmord, Terroristen – und das alles in ihrer eigenen Familie. Schnell überzeugt sie Ben und dessen Cousin Jed (der überraschend auch den Sommer bei seinen Großeltern verbringen wird) von ihren Theorien und eine wahnwitzige Geschichte nimmt ihren Lauf.

Als Bens Vater gestorben ist, hat sich nicht nur das Leben von ihm und seiner Mutter drastisch geändert. Auch sein Onkel und seine Großeltern haben sich verändert. Jeder litt und trauerte auf seine Weise. Während seine Großeltern zumindest augenscheinlich damit umgehen konnten, ist Bens Onkel seinem Hass auf Ausländer und auch seiner eigenen Frau gegenüber verfallen.

Unterm Strich passiert im Buch mehr, als es das in der Realität könnte. Aber eigentlich kommt es ja auch auf etwas anderes an. Ben und Jed leben mit den Vorurteilen die ihr Großvater und Jeds Vater (Bens Onkel) Ausländern gegenüber haben. Nie haben sie die Möglichkeit bekommen sich ihre eigene Meinung zu bilden. Die Hochzeit der Schwester von Priti trägt auch nicht unbedingt dazu bei, dass beide Kulturen sich annähern. Musik, Essen Kleidung – alles fremdartig und fehl am Platz in der britischen Vorstadtsiedlung.

Erst nach und nach wird klar, wie verwoben alle Vorkommnisse sind. Da verschwindet ein Mädchen, eine von Pritis Schwestern hat ein Techtelmechtel mit einem weißen Rocker, einer von Pritis Brüdern bastelt an vermeintlichen Bomben, Jeds Vater ist angeblich ein Undercovercop beim Bombenräumkommando ... Die Fantasie der Kinder, aufbauend auf der Prägung durch die Familie, macht alles noch schlimmer bis zum fast bitteren Ende.

Das Buch geht recht locker mit dem Thema um, da vor allem aus der Sicht der Kinder geschrieben wird. Es gibt heitere und lustige Momente, aber auch Momente in denen man die Luft anhält und hofft, dass alles gut ausgeht. Ben steht im Mittelpunkt mit seinen Fragen an das Leben und die Personen um ihn herum. Auch wenn der Sommer für ihn nicht leicht ist, so bringt er ihn in Sachen Verarbeitung weit voran. Er lernt, dass alles seinen Grund hat, dass es sich lohnt zu fragen und vor allem, dass man sich seine eigene Meinung bilden muss.

"Der Nine Eleven Junge" nähert sich den Terroranschlägen auf das World Trade Center auf unkonventionelle Weise und spricht auf diese Weise auch Jugendliche an, sich mit dem nicht immer einfachen Thema zu befassen. Gespräche danach sind wichtig um alles zu verstehen. Aber sie können auch dafür sorgen, dass wir einander mit mehr Toleranz begegnen und Vorurteile ausgeräumt werden. Wenn ihr also mal ein Buch braucht, das mehr sein soll als reines Lesevergnügen, so können wir euch dieses Buch wirklich empfehlen.

 




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